‚Dann halt ein Blowjob‘

In Teil #1 ging es um die ersten Kontakte mit der weiblichen Periode. Mit zunehmendem Alter schockiert einen der unbenutzte Tampon weniger. Aber es kommen neue Fragen rund um die Menstruation auf. Ob die unbewussten Vorurteile mittlerweile abgenommen haben?

Mit der ersten festeren Freundin kommt die Chance, mehr über den Zyklus zu lernen. Aber selbst in langen Beziehungen reden viele Pärchen kaum über die Periode. Man(n) fragt lieber nicht nach, weil es ja so ein sensibles Thema ist. Und Frau hätte gerne, dass ihr Freund mehr Verständnis zeigt – aber hat selbst oftmals keine Vorstellung, wie eklatant die Wissenslücken bei ihrem Liebsten tatsächlich sind.

Ab und an heißt es Nee, heute geht es nicht, wenn man(n) beim Kuscheln wieder mehr im Sinn hat. Da fallen einem die ganzen Macho-Sprüche ein, die suggerieren, dass die Freundin sich dann eben oral betätigen sollte. In manchen Fällen mag das so ablaufen. Aber letztlich ist das eine der vielen Fantasien des Heranwachsenden, die recht schnell an der Realität zerschellen. Warum will sie nicht? Naja, weil sie halt so gereizt ist. Oder…?

Tampons, viele Tampons

Junge Männer gehen am Tamponregal im Drogeriemarkt in der Regel zügig vorbei. Bloß nicht zu interessiert hinschauen. Das wirkt irgendwie komisch. Und die dort stehenden Frauen sollen ja ihre Privatsphäre bekommen. Aber aus dem Augenwinkel sieht man – es gibt verdammt viele unterschiedliche von den Teilen! Anders sieht das aus, wenn man bei einer Frau zu Besuch ist. Da beäugt man(n) auch mal interessiert die Tamponpackung. Ob die aufgedruckten Tröpfchen was mit der Menge an Blut zu tun haben?

Und wer häufiger auf öffentlichen Toiletten in Parks, Clubs oder sonst wo unterwegs ist, dem bleibt auch der Anblick benutzter Tampons nicht erspart. Wenn man dann fasziniert und angeekelt zugleich vor der Kloschüssel steht und sich fragt, wie ein Tampon im Wasser nur so unfassbar groß werden kann, blitzt plötzlich dieser eine Gedanke auf: Den hatte eine Frau in sich drin. Mind blown.

Es dämmert die Realität

Diesen Widerspruch muss man(n) erstmal aushalten. Zum einen ist die Vagina auf sexuelle Weise für – heterosexuelle – Männer ein faszinierender Teil des Frauenkörpers. Zum anderen kommt da auch dieses blutige, vollgesogene Stück Watte her. Und so dämmert die Erkenntnis: Zur Frau gehört die Menstruation mindestens ebenso sehr wie andere Ausprägungen ihrer Fruchtbarkeit. Zum Lass mal über Ficken reden aus dem Sexualkundeunterricht gehört auch das zyklische Bluten samt seiner Herausforderungen dazu.

Es ist ja nicht so, dass wir Männer uns die Vorurteile selbst ausdenken. Sie werden stattdessen von Generation zu Generation, von Schuljahrgang zu Schuljahrgang, von Vater zu Sohn weitergegeben. Einige Männer kommen über den (Un)wissensstand der Jugend nie hinweg. Andere merken spätestens beim Heranwachsen der eigenen Tochter, dass sie noch viel zu lernen haben. Wieder andere haben aufklärende Freundinnen, die ihre Perioden-Erfahrungen mitteilen.

Was geht in ihr vor?

Es fehlt aber in vielen Fällen an genau diesen weiblichen Erfahrungsquellen. Dass Frauen sehr unterschiedliche Symptome während der Menstruation haben? Dass die Pille einen großen Einfluss auf die Erfahrung hat? Dass manche Frauen gar keine Tampons benutzen? Nur so aus Interesse liest sich leider kaum ein Mann die entsprechenden Wikipedia-Artikel durch.

Für viele kommt das meiste Wissen durch situatives Lernen zustande. Die Freundin ist nicht ganz fit, Sex gehe heute nicht, sagt sie, und auf große Unternehmungen sei auch keine Lust da. Aber eine Massage würde guttun. Und über kleine Aufmerksamkeiten, z.B. das Mitbringen der Lieblingsschokolade, freut sie sich besonders. Man(n) weiß was los ist, versteht aber nicht wirklich was in ihr vorgeht.

So finden viele Paare einen funktionierenden Umgang mit der Periode. Aber ein richtig offener Umgang mit dem Thema sieht anders aus. Dabei hätte gerade das viele Vorteile. Warum das so ist? Dazu mehr in Teil #3!

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