Familienplanung mit dem Temperatursensor „trackle"

Kaum größer als ein Tampon ist das Wearable, mit dem Katrin Reuter die hormonfreie Familienplanung optimieren möchte. Eine glatte, weiche Oberfläche, aus Silikon gegossen und am Ende eine kleine Schlaufe. Das ist trackle. Im Gespräch mit Minoora hat Katrin verraten, wie trackle ausgestattet mit modernster Technik Frauen dabei, hilft ihre fruchtbaren Tage zu bestimmen. Und zwar im Schlaf.

Minoora: der Temperatursensor trackle
Kaum größer als ein Tampon: Trackle.

Wie so oft, wenn ein neues Produkt entsteht, ist der Grund ein ganz simpler: Eigenbedarf. So war es auch bei Katrin Reuter. „Ich wollte unbedingt schwanger werden, aber es klappte nicht. Ich wusste nicht, wann genau ich eigentlich fruchtbar bin.“ Bei ihrer Recherche ist Katrin auf die Temperaturmethode gestoßen. Durch die Messung der zyklischen Schwankungen der Basaltemperatur (der Körperkerntemperatur) kann der Eisprung ermittelt werden. Und somit die fruchtbare Phase. Um gezielt schwanger zu werden - oder hormonfrei zu verhüten.

Praktisch ist allerdings etwas Anderes. Immer wieder sei sie nach ihrer Schwangerschaft auf die Temperaturmethode zurückgekommen, erzählt Katrin. Aber vor allem mit zwei kleinen Kindern ist das regelmäßige  Messen der Temperatur am Morgen schwierig. Weil sie sich an der Handhabung gestört habe, habe sie nach etwas Automatischem zur Erfassung gesucht. Allerdings erfolglos. „Alles Wichtige läuft auf meinem Handy zusammen; warum ausgerechnet das nicht?“ Mit trackle soll das in Zukunft anders sein.

Minoora: trackle in seiner Basisstation
Trackle in seiner Basisstation.

Die App passt auf

Das trackle System besteht aus drei Teilen: Dem Temperatursensor aus Silikon, der nachts vaginal getragen wird und kontinuierlich die Temperatur misst. Einer Aufbewahrungsbox und Ladestation, die die gemessenen Daten drahtlos an das System übermittelt. Und aus einer App, die die Nutzerin mithilfe der ausgewerteten Körpertemperatur über ihren Zyklus informiert.
Die Temperaturmethode werde von vielen Frauen zur Familienplanung sowie Verhütung eingesetzt. Die Umsetzung ist allerdings nicht so einfach. Deswegen gilt sie bei vielen Frauen als unsicher. „Der Trick ist, dass wir keine punktuelle Messung machen“, erklärt Katrin Reuters. „Die Temperaturmethode ist sehr unsicher, da nur einmal gemessen wird.“ Denn eine einzige Messung am Morgen ist anfällig für verschiedene Störfaktoren und lediglich ein Näherungswert. „Deswegen messen wir in der Reihe und können dann den einen, niedrigsten Wert in der Nacht auswählen.“

Den Zyklusstatus, Kalenderansichten und Temperaturkurven zeigt die trackle-App seiner Nutzerin an. Und die App informiert, wenn mal etwas schief läuft und zum Beispiel in der Nacht keine Temperatur gemessen worden ist. Hinzu kommt die Möglichkeit, weitere zyklische Schwankungen einzutragen, wie die Beschaffenheit des Zervixschleims. In Kombination bietet diese sogenannte symptothermale Familienplanung einen Schutz wie die Anti-Babypille.

Für wen ist trackle geeignet?

„Trackle ist besonders geeignet für Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch“, sagt Katrin. „Und für Frauen, die von der Verhütung mit Hormonen weg möchten und keinen weiteren Eingriff in ihren Körper wollen.“ Die einzige körperliche Voraussetzung, die man dafür braucht, ist die selbe wie für einen Tampon. „Man muss sich anfassen und den trackle einführen können.“

Die Daten, die von trackle erhoben werden, gehören ausschließlich der Nutzerin. „Datenschutz ist ein ganz wichtiges Thema bei uns. Viele Frauen Sorgen haben, dass intime Körperdaten im Internet landen.“ Darum werden die Daten verschlüsselt an die trackle Server weitergegeben. Und nicht personenbezogen. Ein wichtiger Schritt, denn ein zentrales Element des trackle Ansatzes sei die statistische Auswertung aller Messwerte der Nutzerinnen.

Noch ist trackle allerdings nicht auf dem Markt. „Die Prototypen sind fertig“, sagt Katrin. „Wir machen noch ein paar kleinere technische Modifikationen, aber die Geräte tun was sie sollen.“ Deswegen ist Anfang März auch die Crowdfundig-Kampagne gestartet. Die ersten Vorbestellungen für trackle sind bereits eingegangen. Anfang September geht das Produkt auf dem Markt. „Bis dahin müssen wir noch die Zertifizierung zum Medizinprodukt abschließen.“

Gerade hat trackle seine Crowdfundig-Kampagne erfolgreich abgeschlossen und die 300 ersten Kundinnen für sich gewonnen. Mehr zum Produkt gibt es hier.


Trackle im Überblick

Eine hormonfreie Verhütung ist der Wunsch vieler Frauen. Mit dem Temperatursensor, der in der Nacht getragen wird, leistet trackle einen Beitrag, die natürliche Familienplanung automatisch und damit verlässlicher zu gestalten.
Die sympthotermale Verhütung ist Fleißarbeit. Um den größten Schutz zu erzielen, sollte neben der Aufzeichnung der Temperatur auch beobachtet werden, wie sich der Schleim aus dem Gebärmutterhals und der Muttermund im Laufe des Zyklus verändert. Dann liegt der Schutz mit einem Pearl Index von 0,3 im Bereich der Pille. Eine sorgfältige Selbstbeobachtung bleibt also auch mit trackle unverzichtbar. Die Basisstation kostet einmalig 149€ und der Temperatursensor, der einmal in Jahr ausgetauscht werden sollte, 99€.

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